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Reisebericht
Europa - Tour 2001 (vom 18.8.-8.9.2001)
von Jörg Schulz |
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The
year after 1995: Ein
Rollerleben beginnt: Während eines Urlaubes auf den Balearen habe ich
die typische Urlaubs-Bekanntschaft mit einem 50er Leih-Roller gemacht.
Diese Begegnung hat mich nicht mehr losgelassen, so dass ich mir 1996
einen SKR 125 von Piaggio zulegte. Bis auf den recht hohen
Benzinverbrauch war ich eigentlich sehr mit ihm zufrieden. Seine
Wendigkeit aber vor allem seine Spurtfreudigkeit haben mich immer
begeistert. Leider ist dann bei ca. km-Stand 12.000 der Antriebsriemen
gerissen, der gleichzeitig die Ölpumpe beschädigte. Beides wurde
erneuert. Danach ging es mit dem Rollerclub Witten im Mai 2000 zum Großglockner.
Auf dem Rückweg auf dem Autobahnring München –auf der Mittelspur während
eines Überholvorganges blieb schlagartig der Schub weg, es knatterte fürchterlich.
Geistesgegenwärtig lenkte ich den Roller sofort zwischen Mittel- und
rechter Spur. Rechts von mir schob sich hauteng ein Laster an mir
vorbei, den ich zuvor überholen wollte, und links von mir schoss ein VW
Lupo an mir vorbei, der schon vorher versuchte, mich zu schieben. Hinter
dem Lkw schaffte ich es dann, direkt auf den Seitenstreifen
auszuweichen. Glück im Unglück: wir hatten ein Begleitfahrzeug dabei,
dass den SKR aufnehmen konnte: Kolbenfresser aufgrund der neuen, auf
Anschlag minimum eingestellten Ölpumpe. Da
sich eine Reparatur nicht lohnte, entschied ich mich kurzfristig im Juni
2000 für einen Honda Pantheon 125. Mit ihm testete ich sofort eine
Marathon-Tour -die zweite- über die Großglockner-Hochalpen-Straße im
August 2000 sowie über den Gotthardt-Pass zum Lago Maggiore mit dem
Rollerclub Witten im Juni 2001. Letztere war mit einer Fahrtdauer von
14,5 Std. am Stück zwar sehr schön, für meine Frau Anja jedoch zu
anstrengend. Als
Italien-Liebhaberin war es ihr Traum, einmal Rom kennen zu lernen. Dies
hat in mir -als inzwischen echten Rollerfan- die Idee wachsen lassen,
eine Etappentour nach Rom – und nicht nur das, sondern – Stück für
Stück – eine gut 3-wöchige „Europa-Tour“ zu planen. Von
vorsichtigen bis ehrgeizigen Etappenlängen von 300 bis 540km täglich,
endlosem Suchen im Internet nach relativ günstigen Übernachtungsmöglichkeiten
-meistens jedoch erfolglos- stand es dann aber doch endlich fest: vom
18. August bis zum 8. September sollte uns der Pantheon in 22 Tagen quer
durch 6 Länder chauffieren incl. einem 50l-Top-Case und einer ca.
40l-Gepäckrolle zwischen meinen Beinen. Die
1. und auch gleichzeitig längste Etappe führte vom Ruhrgebiet bis nach
Riquewihr im Elsass (Frankreich). Von dort ging es direkt in die
Schweiz, per Autozug durch den Lötschberg-Tunnel, um anschließend über
den Simplon-Pass nach Italien zu gelangen, vorbei am Lago Maggiore bis
nach Pavia, südlich von Mailand. Am Simplon-Pass spürte man schon
sehr, dass sich der Pantheon quälte. Obwohl sich die Steigung in
Grenzen hielt, war mit knapp 50km/h die Leistungsgrenze erreicht. Erste
Bedenken, die Tour zu überstehen, stellten sich schon jetzt ein. Danach
sollte eine kurze Erholungsetappe durch die Po-Ebene führen, aber
zwecks mangelnder Laune, im Zentrum von Bologna eine Unterkunft zu
suchen, fuhren wir und
fuhren wir - bis in die Toscana nach Monghidoro, einem sehr schön
gelegenen Bergdorf. Am
nächsten Tag genossen wir dann die Toscana: Florenz, San Gimignano und
Col di Val D’Elsa standen auf dem Tagesplan. Dort konnten wir dann dem
Internet-Angebot einer Privat-Unterkunft nicht vertrauen: anstatt 80.000
Lit. haben wir 120.000 Lit. für die Nacht mit Frühstück zahlen dürfen.
Am 5. Tag haben wir uns noch eben Siena angeschaut um dann bis Rom
durchzufahren. Bis hierher lagen wir bei km-1.820. Wettermäßig
hatten wir noch keine Sorgen, Hitzegewitter gab es gnädigerweise erst
einmal und zwar abends, als der Roller schon unterstand. Nur während
der Unterkunftssuche in Rom wurden wir plötzlich vom Gewitter, nein,
Wolkenbruch überrascht, so dass wir nur schnell auf einen Bürgersteig
flüchten konnten und unter einem Dach eines Kreditinstitutes vor dem
Regen sicher waren. Nach 30 Minuten war der Spuk dann vorbei: wolkenlos. 2
Tage Aufenthalt in Rom und 90km Stadt(rund)fahrt haben meiner Frau dann
einiges abverlangt: Neben dem Hauptverkehrsmittel in Rom, dem Roller
(von allen Seiten kamen sie), hupenden Autos, wellenartigen
Kopfsteinpflaster-Straßen und Irrgärten von Schilderwäldern hat sie während
der Fahrt noch den Stadtplan zu lesen versucht. Der
8. Tag: 490km Transit bis Bari. Was war das? Horror – Albtraum –
oder Idylle des Wilden Westens? Nach landschaftlich schöner
Verabschiedung des Toscana-Flairs: triste, kahle, wie ausgestorbene hügelige
Steppenlandschaft. Eine Stunde lang haben wir kein Lebewesen gesichtet
außer einem Schäferhund. Später,
irgendwo in den Tälern tauchte plötzlich ein Personenzug mit
Dampflok auf – echt wie im Wilden Westen. Mein Gott – dachte ich,
was habe ich uns nur angetan, wenn jetzt der Roller streikt, fehlen nur
noch Indianer und es ist um uns geschehen. Naja, es ging alles gut, und
der seelische Tiefpunkt der Reise war überstanden. Über
Nacht setzten wir dann per Fähre/Deckspassage nach Korfu über. 7.00
Uhr morgens, nach fast schlafloser Nacht fuhren wir bei herrlichem
Sonnenaufgang bis in den Südwesten der Insel, nach Agios Giorgios, wo
wir bei Bekannten, die zur selben Zeit hier Urlaub machten, eine
Unterkunft suchten. In 5 Tagen, die wir hier verbrachten, legten wir
300 Korfu-km zurück. Am
17. Tag begann dann die Rückfahrt: erneut quer durch Griechenland, dann
per Fähre nicht nach Bari sondern bis Ancona. Nächstes Etappenziel:
Venedig bei Nacht. Unterwegs hat uns der Sommer dann verlassen. Regen!
Und anstatt über 30 Grad nur noch etwas über 20 Grad. Mit 190,-- DM fürs
Hotel sowie ca. 20,-- DM für Rollerparkgebühren war hier somit auch
der preisliche Höhepunkt der Reise erreicht. Der
19. Tag war zwar wieder trocken, aber pro km Richtung Norden wurde es kälter,
viel kälter. Die Alpengipfel hatten – fast bis zur Baumgrenze –
schon eine weiße Mütze. Nach einem Tag Aufenthalt in Heiligenblut vor
dem Großglockner – in vergeblicher Hoffnung auf eine wärmere Strömung
mussten wir doch 150km Umweg über den Felbertauern-Tunnel in Kauf
nehmen, da die Großglockner-Hochalpenstraße leider nur noch mit
Schneeketten befahrbar gewesen wäre. Bis
Dinkelsbühl und dem Ende des 21. Tages begleiteten uns auch noch
heftige Regengüsse und sturmartige Seitenwinde. Wie schön war doch der
Süden. Selbst Fast-Food bei McD war jetzt genehm als eine angenehme
Pause zum Aufwärmen. Am letzten Tag wollten wir uns gern noch
Rothenburg o.d. Tauber anschauen, aber es reichte wettermäßig nur für
eine kurze Ortsdurchfahrt (nach 10.00 Uhr wird der Ortskern nämlich zur
Fußgängerzone). So endete dann auch unser Urlaub: mit Regen, Wind und
Kälte. Aber
das Erlebnis bleibt unvergesslich: 5.301km gefahrene km, davon ca. 600km
allein an Rund- bzw. Ausfahrten. Das Sitzfleisch wurde dabei trotz
angenehm weicher Sitzbank sehr strapaziert. Für
die Statisten: Unterkunftskosten lagen in Griechenland bei 30,--DM, in
Italien u. Frankreich allerdings zwischen 120-190 DM/Zimmer u. Tag.
Fahrtkosten von 448,00 DM ohne Öl für 232 Liter Normal-Benzin ergeben
mit einem Durchschnitt von 4,38L/100km einen etwas höheren Verbrauch
als der Gesamtdurchschnitt des Pantheons von ca. 4,23L/100km. Der Ölverbrauch
lag mit 4,3 Litern auch im Normalbereich. Noch immer fahre ich nach nun
insgesamt 16.990 km den 1. Reifensatz. Das Profil ist zwar schon relativ
ausgewaschen aber noch ok. Erst zu geplanten Touren im nächsten Jahr sind wohl neue Pneus fällig: Deutsche Alleenstraße durch Mecklenburg-Vorpommern bis Rügen mit dem Rollerclub Witten (über Fronleichnam) und – vielleicht im Sommer – wer weiß: wer überredet meine Frau dazu? - bis zur Algarve / Portugal! Letztendlich
kann ich nur sagen: Der Pantheon 125 von Honda – trotz 2-Takter ist
sehr empfehlenswert! |
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