Pantheon
Santa Maria Rotonda, Piazza della Rotonda
In dem einzigartigen Kuppelbau aus der Antike ist die
Harmonie des Kreises Stein geworden.
Der einzige ganz erhaltene Kuppelbau
aus der Antike geht auf einen von Agrippa, dem Freund und Schwiegersohn des
Augustus, gestifteten Tempel zurück, der 27 v. Chr. geweiht wurde. Der
dem ›Allgöttlichen‹ oder ›Allen Göttern‹ gewidmete Tempel
stand im Zusammenhang mit den etwas weiter südlich gelegenen Agrippathermen,
von denen ein Rest in der Häuserfront der Via dell’Arco di Ciambella zu sehen
ist. Das Pantheon ist zweimal abgebrannt und jeweils wieder aufgebaut worden,
zuletzt unter Hadrian, der die auf Agrippa bezogene Weiheinschrift wieder
anbringen ließ. Das Andenken dieses großen Mannes scheint also zu Hadrians
Zeit noch hochgehalten worden zu sein.
Das Pantheon ist ein Rundbau mit
einem großen Pronaos (Vorhalle) von 16 rosa und grauen Granitsäulen
korinthischer Ordnung. Die Kuppel entspricht der Hälfte einer Kugel vom
Durchmesser von 43,30 m, die exakt in das Gebäude hineingedacht ist. Das
Licht fällt allein durch die 9 m breite Öffnung im Zenith. Die Kuppel
ist, wie der ganze Bau, auch architekturgeschichtlich interessant: Sie wurde über
einer Holzverschalung aus Mörtel mit Tuffsteinen u. a. in einem Stück
gegossen. Sie war in der Antike mit vergoldeten Bronzeziegeln gedeckt. Kaiser
Constans II. ließ 663 die Ziegel nach Byzanz schaffen. 735 ersetzte sie
Papst Gregor III. durch einen Bleiüberzug. Das Innere der Kuppel, eine
raffiniert die Wölbung betonende, perspektivisch gearbeitete Kassettendecke,
wurde ihrer Vergoldung beraubt.
Der Bau, der noch in frühchristlicher
Zeit ein Tempel war, wurde 608 von Kaiser Phokas dem Papst geschenkt. Der Papst
– es war Bonifatius IV. – missverstand den Namen ›Pantheon‹ und übersetzte
es mit ›Allerheiligen‹, welches Fest er 609 dann stiftete. Außerdem ließ
er 28 Wagenladungen mit Gebeinen ins Pantheon bringen, die in antiken Gräberstätten
(wie etwa an der Via Appia) ausgegraben wurden. Der Papst erklärte die Gebeine
schlichtweg zu Reliquien von christlichen Märtyrern, seitdem hieß die Kirche
›S. Maria ad Martyres‹, heute wird sie ›S. Maria Rotonda‹ genannt. Das
nicht nur schöne, sondern auch rätselhafte Bauwerk hat zu vielfachen
astronomisch-mathematischen und mystischen Deutungen Anlass gegeben. Es als
Symbol für die Allherrschaft vom Gesetz der Zahl zu sehen, erscheint nicht
abwegig.
Das Innere des Pantheon ist
nur noch zum Teil antik, nämlich der schöne polychrome Intarsienfußboden, die
Säulen, Pfeiler und farbigen Marmorverkleidungen bis zur Höhe des
Porphyrsimses. In den – abwechselnd halbrunden und viereckigen – Nischen, in
denen heute Heiligenfiguren stehen, standen in der Antike Götterstatuen
(vielleicht – so Peterich – die Planetengötter). Oberhalb des Simses wurde
die Dekoration 1747 neu gestaltet. Über der rechten Nische neben dem Altar
versuchte man 1930 ein Stück der originalen Raumdekoration zu rekonstruieren.
Die Bronzeverkleidungen an der
Kassettendecke des Pronaos ließ Papst Urban VIII. Barberini herabreißen.
Aus ihr wurden 80 Kanonen und der Baldachin des Altars in der Peterskirche
gegossen, was zu dem berühmten Pasquill Anlass gab: „Quod non fecerunt
barbari, fecit Barberini.” (Was die Barbaren nicht gemacht haben, machte
Barberini.)
Die Pantheon-Kirche ist auch die
Walhalla berühmter italienischer Persönlichkeiten: Die Gräber der Könige
Vittorio Emanuele II. und Umberto I. nebst Königin
Margherita werden manchmal von einer zwar greisenhaften, aber würdigen
freiwilligen Ehrenwache flankiert, die gleichzeitig (sehr dezent) Unterschriften
für die Wiedereinführung der Monarchie sammelt. In der ersten Nische links
steht das Grabmal des Kardinals Ercole Consalvi, einer der wenigen
bedeutenden Staatsmänner des Kirchenstaates im 19. Jh.; die Figur ist von
Thorwaldsen. Außerdem haben Baldassare Peruzzi, Taddeo Zuccari, Pierin del
Vaga und Flaminio Vacca die Ehre hier begraben zu sein und zuletzt
sei das unauffällige Grab des großen Raffael erwähnt, der hier seine
letzte Ruhestätte gefunden hat. In der ersten Nische rechts befindet sich ein
sehr schönes Verkündigungsfresko, das wohl von der Hand Melozzo da
Forles stammt.
Der Platz vor dem Pantheon lag in
der Antike wesentlich tiefer, man stieg zum Tempel einige Stufen hinauf. Der Brunnen,
der heute auf dem Platz steht, wurde 1575 (oder 1578) von Giacomo della Porta
und Leonardo Sormani errichtet. Der Obelisk – ursprünglich Schmuck des
Isistempels auf dem Marsfeld – wurde 1711 hinzugefügt.
Mit anderen Worten - die Pantheonfahrer sind so etwas wie Götter *grins*